Am Rande des Eifelrennens bekam ich zufällig Kontakt zu einem VLN-Astra-OPC Team. Als man mich fragte, ob ich mal Lust auf einen VLN Lauf hätte, überlegte ich nicht lange und sagte zu.

Samstagmorgen, 25. Juni, schaute ich um 6:30 Uhr aus dem Fenster und sah nichts. Dichter Nebel umhüllt die Nordschleife. Das fängt ja gut an. Auf einem Astra OPC bin ich noch nie gefahren und dann gleich solche Wetterbedingungen. Es kam wie es kommen musste, das Training konnte erst nach 1,5 Stunden Verspätung gestartet werden. Ich ging als erster raus und machte mich auf der GP-Strecke mit dem Wagen vertraut. Immer noch waberten Nebelschwaden durch die Eifel. Das war grenzwertig, weil man teilweise kaum etwas sah. Der einsetzende kräftige Regen half auch nicht viel. Trotz Lüftung beschlugen von innen die Scheiben. Irgendwann sah ich eine Kurve nicht und musste den Notausgang nehmen. Jetzt aber raus auf die Nordschleife. Der Astra OPC ließ sich erstaunlich gut fahren. Die Regenreifen funktionierten super und man konnte sehr schnell den Wagen am Limit bewegen. Ein Renn-ABS vermittelt darüber hinaus Sicherheit. Im Astra OPC Cup starten jetzt nur noch 6 Fahrzeuge, da es das letzte Jahr für den Astra OPC ist und im nächsten Jahr auf den Astra TCR umgestellt wird. Die Fahrzeuge sind weitestgehend gleichwertig und alle liegen dicht beieinander. Auf unserem Auto fuhr noch der Teameigner und ein weiterer „Neuling“. Im Training waren wir letzte, was aber in Anbetracht der fehlenden Erfahrungen nicht wirklich überrascht.

Mir wurde die „Ehre“ zuteil, den Start zu fahren. Der Regen hatte sich weiter verstärkt, die Sichtbedingungen waren immer noch mies und ich malte mir schon aus, wie ein echter Blindflug aussieht. Wegen des Regens mussten 2 Einführungsrunden gefahren werden. Der Start war so, wie ich mir das vorstellte. Man ahnte, dass der ein oder andere um einen herum ist, aber wo er tatsächlich war, sah man nicht. Irgendwie war ich beim Einbiegen auf die Nordschleife 4. in unserer Klasse. Hinter mir das Schwesterfahrzeug aus unserem Team. Da mir klar war, dass ich aufgrund fehlender Erfahrung aber auch einer vorsichtigeren Herangehensweise (das ist im Alter geschuldet) den Teamkollegen aufhalten würde, habe ich ihn vorbei gelassen. Was jetzt folgte war auf der einen Seite außerordentlich spaßig, weil der Astra-OPC in diesem Segment ein toller Rennwagen ist und sich im Regen wohl fühlt. Auf der anderen Seite waren die Sichtverhältnisse permanent extrem schlecht. Insbesondere wenn die SP 9 Fahrzeuge (Porsche RSR, Audi LMS, AMG GT3 usw.) überholten, sah man nichts. Auch der Nebel hatte sich nicht so ganz verzogen. Ich fuhr fast eine ganze Runde hinter einem 991 GT3 Cup her und hatte keine Probleme, den zu halten. Auf der Döttinger Höhe bei fast 240 km/h sah ich nur noch ein winziges rotes Licht von dem 991 GT3 Cup als der plötzlich wegen Aquaplaning vom Gas ging und ich Mühe hatte, nicht aufzufahren.

Insgesamt muss man sagen, dass sich die Sitten in der VLN erheblich gebessert haben. Zumindest in diesem Rennen haben die Profis auf den werksunterstützten Autos Rücksicht genommen und man fühlte sich nicht als „Freiwild“, wie das noch vor fünf Jahren der Fall war. An fünfter Stelle liegend übergab ich nach 1,5 Stunden den Wagen an den Teamkollegen. Irgendwann waren wir dann 6. und der Eigner fuhr das Rennen zu Ende. Insgesamt geht es in der Klasse sehr eng zu. Zwischen dem 4. und 6. Platz lagen teilweise nur 30 Sekunden. Den Klassensieg fuhr Volker Strycek ein, der damit in der VLN den 80. (!) Klassensieg verzeichnen konnte. Den zweiten Platz erreicht ein Team, welches ebenfalls Klassensiege im Astra OPC Cup verbuchen konnte und seit mehreren Jahren auf dem Auto fährt.

Unser Auto hatte nicht eine einzige Schramme, was in Anbetracht der Rennbedingungen keine Selbstverständlichkeit ist.

Dem historischen Motorsport werde ich jetzt natürlich nicht untreu, aber es macht auch Spaß, in einem modernen Rennwagen den Nürburgring zu bezwingen (oder zumindest den Versuch zu machen).

Ralph-Gerald Schlüter

 

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